Y u k o n   Q u e s t ™ - R e p o r t a g e n


Informationen zum härtesten Hundeschlittenrennen der Welt:
Bilder, Videos, Audioberichte, Listen der Gewinner/Musher und Links.
Das nächste Yukon Quest™ Rennen startet im Februar 2001.

Yukon Quest
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Yukon Quest Reportagen
Mit freundlicher Genehmigung von Hartmann Jenal
© Copyright Hartmann Jenal

R E P O R T

Silvia Furtwängler fährt das schwerste Schlittenhunderennen der Welt

Wenn am 11.Februar 2001 um 12.00 Uhr von Whithorse in Kanada nach Fairbanks in Alaska das 17. Yukon Quest, welches als das schwerste und längste Schlittenhunderennen der Welt mit über 1000 Meilen angesehen wird, der Startschuß fällt, wird Silvia Furtwängler (39) aus dem Allgäu, beim derzeitigen Stand der Anmeldungen, als einzige europäische Frau am Start sein. Sie will mit ihren 14 Huskys unter allen Umständen das Ziel im über 1631 offiziellen Kilometer weit entfernten Whithorses in Kanada, erreichen. Welche physische und psychische Belastungen hierbei auf sie zukommen kann sie während ihrer Vorbereitungszeit in ihrem Heimatort Argenbühl, Ortsteil Roten, nur erahnen oder aus Fachbüchern, in denen über dieses Rennen berichtet wird, Erfahrungen suchen.
Bisher ist es noch keiner europäischen Teilnehmerin gelungen, das jeweilige Ziel dieses harten Rennens zu erreichen. Erst vor zwei Jahren war Petra Nölle aus Hamm 150 Meilen vor dem Ziel gescheitert. Sie zerbrach an den Strapazen dieses Rennens und war körperlich sowie psychisch ausgelaugt.
Silvia Furtwängler, die gebürtige Kölnerin, wuchs in Bielefeld auf und spielte über viele Jahre in ihrer Heimatstadt als Kreisläuferin Handball. Nachdem sie durch diese Sportart viele Verletzungen davon trug, mußte sie den Sport an den Nagel hängen und begann mit 24 Jahren, ihren ersten sibirischen Husky Names Chan am Fahrrad zu trainieren. Zuvor hatte sie 1980 mit 19 Jahren geheiratet und bekam zwei Kinder, Maurice, heute 18 Jahre und Raffaella, 15 Jahre.

Ihre Kinder bestimmen, neben ihren Hunden, auch heute noch ihr Leben. Aus dem einen Husky wurden zwei und dann waren es vier. 1989 ging ihre erste Ehe in die Brüche und ihr Traum war es, mit den Kindern und den Hunden in den Bergen zu wohnen. So legte sie noch im gleichen Jahr ihrer Trennung sich und ihrem Sohn Maurice die Deutschlandkarte vor und beide suchten sich einen schönen Ort zum Wohnen aus. Die Entscheidung fiel auf Friedrichshafen am Bodensee. Als alleinerziehende Mutter hatte sie es natürlich sehr schwer, ihrem Hobby, nämlich dem Schlittenhundesport, nachzukommen. Trotz allen Schwierigkeiten und Umständen packte sie die Kinder und ihre Hunde in einen Wohnwagen, die Hunde wurden in einer seperate Box untergebracht, und fuhr im Winter zu den Schlittenhunderennen in die Berge. Bis heute hat sie mit ihren Kindern an über 200 Rennen teilgenommen.

Heute wohnt die Familie in einem kleinen schmucken Einfamilienhaus in Argenbühl im Allgäu. Daneben ist eine große Zwingeranlage für ihre 20 Schlittenhunde und Steven hilft jeden Abend bei der Fütterung der Hunde. Die Möglichkeit, mit den Hunden dort zu trainieren ist optimal, alleine dies ist schon Grund genug, sich hier wohl zu fühlen, erklärte Silvia Furtwängler.
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Sylvia Furtwaengler

Silvia Furtwängler fährt mit ihren Hunden keine Sprintrennen mehr, sondern nur noch größere Distanzen über 50 Kilomter täglich. So fuhr sie auch das Alpnetrail über 360 Kilometer mit und viele andere Mitteldistanzrennen. Im März dieses Jahres traf sie einen Musher bei einem Rennen und so zufällig, wie sie angab, kamen beide auf das Gespräch Yukon Quest. Plötzlich kam ihr in den Sinn, dieses Rennen einmal mitzumachen und sie machte sich daran, die Finanzierung zu durchdenken. Über 50.000,-DM waren notwendig um an diesem Rennen teilzunehmen, davon alleine 1000 US $ Startgeld. Woher nur so viel Geld nehmen, dachte sie nur, wie teuer darf ein Traum denn wirklich sein? Es war ihr die Sache Wert, sie wollte sich diesen Traum, den wohl jeder Musher einmal träumt, erfüllen und so bereitete sie sich vor.
Zuerst musste sie Sponsoren finden, denn 50.000 ,- DM konnte sie nicht so einfach aus der Haushaltskasse nehmen. "Es ist sehr schwer, die passenden Sponsoren zu finden" erklärte Silvia Furtwängler. Doch der erste Erfolg mit dem Expeditionsausrüster Jack Wolfskin stellte sich ein und ein Teil der erforderlichen Gelder ist gesichert. Hinzu kommt eine optimale Outdorausrüstung mit Schlafsack, der bis Minus 40 Grad warm halten muß und Bekleidung sowie Schuhwerk für Eis und Schnee. Jedoch nicht nur die finanzielle Seite muß gesichert sein, auch der notwendige körperliche Einsatz, den ein solches Rennen abverlangt muß vorbereitet werden. Schließlich wird der 200 Kilogramm schwere Schlitten, den die 14 Huskys, die Silvia Furtwängler für dieses Abenteuer aus dem Zwinger "Tozi River Huskies" von Dieter Zirngiebl und Bill Flirris bekommt, beim Yukon Quest ziehen müssen, nicht von alleine über die Berge entlang des Yukon Rivers gleiten. "Ich als Musherin kann nicht immer nur auf dem Schlitten stehen bleiben, es müssen Höhenunterschiede von bis zu 1600 Meter überquert werden und das schaffen die Hunde nicht alleine, also muß ich Kraft genug haben um ihnen helfen zu können, die Berge hoch zu kommen", erklärte Silvia Furtwängler. So gehört zu ihrem täglichen Trainingsplan stundenlanges Laufen, Radfahren und Krafttraining.

Jetzt, am 09. November 2000 wird sie schon die Reise nach Alaska und zwar nach Tanana antreten um sich in den kommenden vier Monaten auf das Rennen optimal vorbereiten zu können. Sie wird lernen müssen, stundenlang auf dem Schlitten zu fahren, denn beim Yukon Quest sind einige Teilstücke von Checkpoint zu Checkpoint über 326 Kilometer. Sie muß lernen, in der Wildnis zu überleben, denn sie wird oft tagelang alleine dort draußen verbringen müssen, nur mit ihren Hunden, einem Zelt und ihrem Schlafsack. Sie wird sich mit Schneestürmen, wenig Schlaf, Eis und offenem Gewässer, vielleicht sogar mit wilden Tieren auseinander setzen müssen.

Der Rekord bei diesem Rennen wird von dem Amerikaner Frank Turner gehalten. Er bezwang die Strecke in 10 Tagen 16 Stunden und 20 Minuten. Eine mörderische Strecke, so Silvia Furtwängler, sie will aber den Teufel besiegen, den inneren Schweinehund überwinden und ihr Ziel und Fairbanks erreichen mit all ihren Hunden. Ihr Sohn, der kleine 5-jährige Steven, wird seiner Mutter bis zum Januar 2001 zur Seite stehen, dann geht seine Reise wieder zurück nach Deutschland in den Allgäu und Silvia Furtwängler kann sich noch einen Monat alleine auf ihr großes Rennen vorbereiten.

Die Strecke führt von Whithorse nach Breaburn (166 km), Carmacks (126 km), Pelly Crossing (115 km), Dawson City (326 km), Eagle (241 km), Circle (254 km), Central (120 km), Angel Creek (123 km), North Pole (109 km) bis schließlich das Ziel, Fairbanks (51 km), erreicht ist.


Text © Copyright Hartmann Jenal / Photos Courtesy of Hartmann Jenal


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