Nach einem Frühstück am Hafen, bei dem ich zufrieden und entspannt das bunte Trieben der einfahrenden Fischerboote beobachten konnte, nahm ich an einer Gletscher-Fahrt mit einem der Ausflugsboote teil. Dies war gewiss einer der überwältigendsten Tage, die ich in Alaska erlebt habe.
Bei strahlend blauen Himmel ging es entlang saftig grüner Fjordhänge, von denen immer wieder wundervolle Wasserfälle herabfielen und deren schneebedeckten Gipfel fast schmerzhaft im Sonnenlicht glänzten.
Auf der Fahrt konnte ich vom Boot Wale, die niedlichen Seeotter, Seelöwen und die scheuen Papageitaucher beobachten.
Ein Höhepunkt reihte sich an den anderen. Den krönenden Abschluss der Fahrt verkörperte der Columbia-Glacier, der in den Prince William Sound hinein kalbt. Dabei kreuzte das Boot zwischen riesigen und Eisbergen. Majestätisch segelte ein Weißkopfseeadler über der Kulisse.
Von der Ölkatastrophe, die den Prince William Sound im Jahr 1989 heimsuchte, als der Riesentanker Exxon Valdez auf ein Riff auflief, scheint sich die Natur überraschend gut erholt zu haben. Zumindest oberflächlich sind keine Spuren zurückgeblieben.
Nach einem weiteren Tag in Valdez, den ich mit einem Ausflug auf den Thompson-Pass verbrachte, auf dem im Winter Schneehöhen von 8-10 m keine Seltenheit darstellen und der deswegen oft für den Verkehr gesperrt ist, nahm ich frühmorgens die Fähre nach Seward. Da es in der Nacht schon wieder geregnet hatte, nutzte ich die Gelegenheit, um auf dem mit Heizstrahlern versehenen Deck meine Ausrüstung zu säubern und zu trocknen. So konnte ich die Fahrt, die an vielen, bei bewölktem Himmel blau leuchtenden Gletschern vorbei führte, richtig genießen. Vor einem der Gletscher lagen einige Seehunde faul auf treibenden Eisschollen herum.
Von Seward aus hatte ich noch zwei Tagesetappen bis zu meinem Zielort Anchorage. Am ersten Tag überquerte ich die Kenai Mountains. Der Straßenverlauf durch diese alpine Landschaft ist wunderschön. Die letzte Nacht im Zelt verbrachte ich in der Nähe des Portage Glaciers.
Von dort brach ich sehr früh nach Anchorage auf, da der Seward Highway der am stärksten befahrene und der unfallträchtigste Highway Alaskas ist. Dem stärksten Verkehr wollte ich durch den frühzeitigen Aufbruch entgehen. Außerdem kündigte sich ein Wetterumschwung an. So erreichte ich am frühen Nachmittag und begleitet von den ersten Regentropfen nach knapp 2000 km und dreieinhalb Wochen auf dem Rad Anchorage. Müdigkeit und Stolz waren die vorherrschenden Gefühle, als ich am Anchorage Visitor Information Center, das in einem urigen Blockhaus an der 4th Avenue untergebracht ist, mein Fahrrad anlehnte.
Die beiden verbleibenden Tage vor dem Heimflug nutzte ich, um mich wieder "zivilisationsfähig" zu machen - sowohl in Bezug auf mein äußeres als auch mein inneres Befinden!
Auf dem Heimflug gelang mir das, was mir zuvor nicht gewährt worden war: ein freier Blick auf den Gipfel des Denali. Und allein dieser Blick ist es wert, eines Tages in den hohen Norden Kanadas und nach Alaska zurückzukehren. Oder wie es Robert Service in seinem Gedicht "The Spell of The Yukon" ausdrückt:
There's a land - oh it beckons and beckons
And I want to go back and I will!
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